Empfehlungen, Honorare und AGBs

Journalismus: ehemalige Honorarempfehlung 2005 
Bei der hier dokumentierten Empfehlung handelt es sich um ein historisches Dokument. Eines, an dem sich Interessierte weiter orientieren können, formal jedoch ist diese Empfehlung der ver.di-Mittelstandgemeinschaft Journalismus als zurück gezogen anzusehen: Eine Änderung im Wettbewerbsrecht untersagt solche Empfehlungen faktisch seit Mitte der 2000er Jahre.

Die hier dokumentierte ehemalige Honorarempfehlung Text umfasst auch Empfehlungen für die (Zweit-)Verwertungshonorare bei der Nutzung auf CD-ROM und in Onlindiensten.

  • Der Tagessatz beträgt 310 €.
  • Der Halbtagessatz beträgt 160 €.
  • Der Stundensatz beträgt 50 €.
  • Freie Journalistinnen und Journalisten sollten generell nur auf Basis von Tagessätzen arbeiten.
  • Für kleinere journalistische Arbeiten sollte ein Halbtagessatz in Rechnung gestellt werden.
  • Stundensätze sollten für kurzzeitige Zusatztätigkeiten (z.B. Redigieren oder Besprechungen) angesetzt werden.


Grundsätze zur Honorarberechnung

o Von den empfohlenen Tages-, Halbtages- und Stundensätze für freie journalistische Arbeit sollte nur begründet abgewichen werden.
o Diese Honorarsätze sind Mindestsätze, die insbesondere bei aufwändigen Arbeiten (z.B. auswärtige Recherchen) deutlich überschritten werden sollten.
o Bei größeren journalistischen Arbeiten können Pauschalhonorare vereinbart werden, die sich nach der voraussichtlichen Dauer richten. Bei einer nicht vom Auftragnehmer zu verantwortenden Überschreitung des vereinbarten Zeitraumes sollten für die Dauer der Überschreitung Tagessätze berechnet werden.
o Die Honorarsätze sind netto. Die gesetzliche Mehrwertsteuer ist zusätzlich in Rechnung zu stellen, sofern der Auftragnehmer mehrwertsteuerpflichtig ist.
o Reise- und Telekommunikationskosten sowie weitere Auslagen sollten gesondert in tatsächlicher Höhe, bei Fahrten mit Pkw in Höhe der Steuerpauschale (0,30 €/km) in Rechnung gestellt werden.

Zuschläge und Abschläge

o Bei geringer Berufserfahrung kann ein Abschlag von bis zu 20 Prozent und bei langjähriger Berufserfahrung sollte ein Aufschlag von bis zu 30 Prozent auf die empfohlenen Honorarsätze berechnet werden.
o Bei Tageszeitungen und Anzeigenblättern mit einer Auflage unter 100.000 und bei Publikumszeitschriften unter 800.000 Exemplaren kann ein Honorarabschlag von bis zu 15 Prozent berechnet werden.
o Muss auftragsgemäß nachts oder am Wochenende gearbeitet werden, wird die Vereinbarung angemessener Zuschläge empfohlen.
o Bei digitaler Zweitverwertung von Printtexten in Online-Medien, elektronischen Archiven und auf CD-ROM sind Aufschläge auf das Honorar für die Printausgabe zu zahlen.
o Wird ein Text für die Erstveröffentlichung in einem Online-Medium oder auf CD bzw. DVD erstellt, sollten mindestens die Tages- bzw. Halbtagessätze für Printtexte berechnet werden.

Freie Mitarbeit in Redaktionen

o Wenn bei einer freien Mitarbeit in einer Redaktion auf Dauer die notwendige Infrastruktur gestellt wird und deshalb kein eigenes Büro und keine technischen Einrichtungen vorgehalten werden müssen, kann auf Tagessätze ein Honorarabschlag von bis zu 30 Prozent berechnet werden.
o Bei diesen Honorarsätzen wird davon ausgegangen, dass zusätzlich bezahlter Urlaub mindestens entsprechend den Regelungen des Bundesurlaubsgesetzes gewährt wird.
o Tätigkeiten, die üblicherweise von angestellten Redakteurinnen und Redakteuren ausgeübt werden, sollten freie Journalistinnen und Journalisten grundsätzlich nicht übernehmen. Wenn für längerfristige Tätigkeiten monatliche Pauschalen vereinbart werden, sollten diese die vergleichbaren Gehaltssätze der Tarifverträge für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen bzw. Zeitschriften um mindestens 20 Prozent übersteigen und diese auch bei Krankheit gezahlt werden.


Tabelle der Tagessätze nach Berufserfahrung, Arbeitsort und Auflage

Eigenes Büro, eigene Infrastruktur
normale Auflageniedrige Auflage
Berufserfahrung von € bis €von € bis €
gering250,- bis 295,-200,- bis 250,-
durchschnittlichBasis = 310,-265,- bis 280,-
langjährig 340,- bis 400,-295,- bis 370,-
Kein Büro, Arbeitsort in Redaktion
normale Auflageniedrige Auflage
Berufserfahrungvon € bis €von € bis €
gering155,- bis 265,-110,- bis 250,-
durchschnittlich220,- bis 280,-170,- bis 250,-
langjährig235,- bis 370,-200,- bis 340,-

Auf- und Abschläge in dieser Übersicht: Berufserfahrung 5 bis 30 %, Arbeitsort in Redaktion 10 bis 30 %, niedrige Auflage 10 bis 15 %




Urheber- und Nutzungsrechte

Diese Empfehlung beruht bei Beiträgen für Zeitungen auf der Einräumung eines einfachen Nutzungsrechtes, also für den einmaligen Abdruck mit der Möglichkeit für die Autoren/innen, den Beitrag auch anderweitig zu veröffentlichen.
Wird bei Beiträgen für regionale und lokale Zeitungen ein ausschließliches Nutzungsrecht in deren Verbreitungsgebiet bis zum Erscheinen des Beitrages verlangt ("Konkurrenzausschluss"), sollte allerdings auf einen Honoraraufschlag verzichtet werden.
Bei Zeitschriften beruht diese Empfehlung auf der Einräumung eines ausschließlichen Nutzungsrechtes. Das heißt Autoren/innen dürfen denselben Beitrag erst ein Jahr nach der Erstveröffentlichung erneut anderweitig veröffentlichen.
Die Einräumung weiterer Nutzungsrechte ist gesondert zu vereinbaren und zu honorieren. Exklusiv- und Rechte für alle Nutzungsarten sollten nur zu deutlich höheren Honoraren eingeräumt werden.
Bei der digitalen Zweitwertung von Printtexten durch oder im Auftrag von Tageszeitungen und Zeitschriften in deren Online-Ausgaben, in Online-Diensten oder elektronischen Archiven sowie auf CD-ROM sind folgende Mindestaufschläge auf das Honorar angemessen:

Art der NutzungVerfügbarkeitAufschlag
Online-Ausgabe/-Dienstbis zu einem Monat10%
bei längerer Nutzung pro Jahr zusätzlich*5%
Elektronisches Archivbei Aufnahme10%
pro Jahr5%
CD-ROM**bei Aufnahme10%


* in der Regel bis zu einem Jahr. Ist eine langfristige Verfügbarkeit geplant und sind Texte über Suchfunktionen erschließbar, sollten außer dem Aufschlag für die aktuelle Online-Veröffentlichung der für elektronische Archive berechnet werden.** nur so genannte Jahrgang-CDs. Andere CD-Veröffentlichungen sollten höher berechnet werden.



Was ist und was bringt die Honorarempfehlung?


Die "Honorarempfehlung Text" wird seit 1995 von der Mittelstandsgemeinschaft Journalismus erstellt, einem Zusammenschluss von hauptberuflich frei tätigen Journalistinnen und Journalisten, die der dju in ver.di angehören.
Auf Grund der Gesetzeslage haben diese Empfehlungen keine bindende oder verpflichtende Wirkung. Sie sollen aber die Wettbewerbsbedingungen von freien Journalistinnen und Journalisten verbessern, indem marktübliche Honorare und Auftragskonditionen für Texte in Printmedien als Orientierungsmaßstab für den Abschluss von Verträgen dienen.
Die Empfehlungen beruhen im Wesentlichen auf Honorarumfragen, die regelmäßig von der dju (Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union) durchgeführt werden. Außerdem fließen tarifliche Entwicklungen aus dem Printbereich (z.B. Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Freie an Tageszeitungen), Honorare für journalistische Textleistungen verschiedener Medien sowie weitreichende Erfahrungen aus der Freien-Arbeit und -Beratung der dju und von mediafon ein.
Diese Erfahrungen zeigen auch: Regelmäßige Vertragsabschlüsse unterhalb der hier empfohlenen Honorarsätze ermöglichen keine selbstständige wirtschaftliche Existenz auf der Grundlage freier journalistischer Tätigkeit.


(c) und Herausgeber:Mittelstandsgemeinschaft Journalismus o Matthias von Fintel c/o dju in ver.di - Fachbereich Medien Paula-Thiede-Ufer 10 o 10179 Berlin o Telefon 030/6956-2321 o Fax -3655 o E-mail:matthias.vonfintel@verdi.de


(03.02.2005)

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© 2017 mediafon
Quelle: www.mediafon.net//meldung_volltext.php3?id=431473092f106&akt=empfehlungen_empfehlungen&view=print&si=5a064c3b23c5c&lang=1
Druckdatum: 18.11.2017, 23:58:00