Empfehlungen, Honorare und AGBs

Design: Vergütungstarifvertrag und Kalkulationshilfe 
Viele Jahrzehnte war der Vergütungstarifvertrag Design (VTV) der Allianz deutscher Designer (AGD) das Referenzwerk an dem sich die Branche orientierte - und er bleibt für die Orientierung wichtig, obwohl die Durchsetzbarkeit bröckelt. Die Honorarsätze der aktuellen neunten Version aus dem Jahr 2015 basieren auf einem Entwurfshonorar von 90 € pro Stunde, auf das je nach Art und Umfang der Nutzung noch eine Nutzungsvergütung zwischen 50 und 600 Prozent (für ein ausschießliches Nutzungsrecht, weltweit, mit unbegrenzter Dauer) aufgeschlagen wird.

Das umfangreiche Vertragswerk - eine Neuauflage ist seit Mitte 2017 in Vorbereitung - enthält Honorare für etliche hundert Standardleistungen aus verschiedenen Bereichen des Designs, etwa Kommunikationsdesign, Mode- und Textildesign, Produktdesign, Ausstellungsdesign und Illustration. Die Honorare sind jeweils differenziert nach niedrigem und hohem Aufwand sowie nach unterschiedlichen Nutzungsgraden.

Der AGD-Vergütungstarifvertrag Design 2015 kostet 39 € inclusive Versand. Zu bestellen im AGD-Onlineshop.
Ein hilfreiches Tool zu dem AGD-Vergütungstarif ist der entsprechende Onlinerechner. Gegen eine Registrierung ist dort der Zugriff auf 200 Musterkalkulationen möglich, weitere Muster und Funktionen sind für Nicht-Mitlgieder kostenpflichtig.

Rechtlich handelt es sich bei dem Werk um einen Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Selbstständige, der nur für Vertragsverhältnisse gilt, bei denen die Auftragnehmerin Mitglied des Vereins AGD und die Auftraggeberin Mitglied des Vereins Selbständige Design-Studios (SDSt) ist. Das sind zwar die allerwenigsten in den verschiedenen Teilbranchen, andere Designerinnen und Designer können jedoch - entsprechende Marktmacht vorausgesetzt - die AGD/SDSt-Honorare in ihren AGB verankern und bei Honorarstreitigkeiten von Gerichten versuchen, die als "marktüblich" heranziehen zu lassen.

Wie sich die im Vergütungsvertrag genannten Nutzungsfaktoren gestalten und viele weitere gute Hinweise zur Kalkulation und Vergütung von Designleistungen finden sich in einem gleichnamigen, stetig aktualisierten Text des Atelier Wolfgang Beinert. (Seite nach unten scrollen!) Der Autor geht darin auch offen auf Fragen der Konkurrenz, der Qualität sowie die Schwierigkeiten der Honorarfindung und -durchsetzbarkeit ein, was einen kritischen Blick auf den AGD-Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Designer einschließt: "Seit der ehemalige AGD-Gründer und Geschäftsführer Lutz Hackenberg die Geschicke der AGD nicht mehr bestimmt, hat leider auch die Qualität des VTVs spürbar nachgelassen".

Das eigentliche Problem ist sicher die Durchsetzbarkeit des VTV im Strukturwandel, der nach der Wahrnehmung Beinerts zu "zwei diametralen Märkten, die nicht unterschiedlicher sein könnten" geführt hat: "Zum einen der sehr große, laute Markt der Amateure, Semiprofessionellen und Berufseinsteiger, auf dem ein mörderischer Wettbewerb zu Dumpingpreisen herrscht – und zum anderen der leise, prosperierende Markt der Professionals." - So gesehen kann die neuere AGD-Verbandspolitik auch als Ausdruck einer besorgniserregenden Schwäche gedeutet werden, Vergütungen durchzusetzen: Während die Honorarsetzung über den VTV in der Branche erodiert, konzentriert sich die Allianz eher auf die Profilierung in der politischen Landschaft.

(Aktualisiert: 1.7.2017)

(01.07.2016)

Verweise zu diesem Artikel:
ver.di-Selbstständige zu Tarifverträgen für Arbeitnehmerähnliche
Ratgeber Selbstständige zur Arbeitnehmerähnlichkeit

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© 2017 mediafon
Quelle: www.mediafon.net//meldung_volltext.php3?id=43147c3ddf06c&akt=empfehlungen_empfehlungen&view=print&si=&lang=1
Druckdatum: 23.11.2017, 04:53:02