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Allgemeine News (Archiv)

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Österreich
Viel Armut und hohe Einkommen bei Selbstständigen 

Die Selbstständigen in Österreich neigen zu Extremen: Von ihnen gehören im Durchschnitt doppelt so viele zu den "working poor" wie von den unselbstständig Beschäftigten – aber auch ihr Anteil an den Menschen mit hohen Einkommen ist doppelt so hoch, wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspräche. Das geht aus dem "Armutsbericht 2009" hervor, den die Statistikbehörde "Statistik Austria" jetzt vorgelegt hat.


Der Bericht "Armutgefährdung und Lebensbedingungen in Österreich. Ergebnisse aus EU-SILC 2009" bezieht sich allein auf Österreich, ist nach den Erfahrungen von mediafon aber durchaus auf Deutschland übertragbar. Sein Ergebnis fasst das österreichische "Wirtschaftsblatt" mit der Schlagzeile "Selbstständigkeit birgt Armutsrisiko in sich" zusammen – und sagt damit nichts Falsches, denn die Zahlen geben eine solche Aussage her: Von den unselbstständig Beschäftigten gehören in Österreich fünf Prozent, von den Selbstständigen aber zehn Prozent zu den "working poor". Die definiert der Bericht als Personen, die trotz Erwerbsarbeit als Alleinstehende nicht über ein Monatseinkommen von 994 € hinauskommen, das laut EU-Definition die Grenze zur "Armutsgefährdung" darstellt.

Bevor man jetzt aber die Selbstständigen, wie viele das gern tun, einfach pauschal in die Schublade "prekäre Arbeitsverhältnisse" steckt, sollte man sich die Zahlen genauer anschauen. Denn auch unter den Menschen mit "hohem" Einkommen (hier definiert mit über 2.982 € im Monat) findet man in Österreich doppelt so viele Selbstständige (nämlich 16 %), wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung (8 %) entspräche. Unter denen mit einem Einkommen unter der "Armutsgefährdungsgrenze" (994 €) sind sie sogar unterdurchschnittlich vertreten (7 %). Das konkrete Durchschnittseinkommen der Selbstständigen wurde leider nicht ermittelt.

Dennoch zeigt auch ein anderes Ergebnis, dass es den Selbstständigen in Österreich nicht generell mies gehen kann: 76 % der Selbstständigen sind mit ihrer Tätigkeit "ziemlich" oder "sehr zufrieden" – das ist zumindest leicht mehr als beim Durchschnitt aller Erwerbstätigen (74 %). Und auf die Frage, wie sehr sie mit ihrem Leben zufrieden sind, antworten gar 86 % aller Selbstständigen "ziemlich" oder "sehr", während es im Durchschnitt der Bevölkerung nur 79 % waren.

Der Sprecher der österreichischen Armutskonferenz, Martin Schenk, sieht das große Armutsrisiko denn auch nicht in der Selbstständigkeit an sich, sondern bei Menschen, "die zwischen Niedriglohnjobs, Ich-AGs und Scheinselbstständigkeit pendeln". Die seien – genauso übrigens wie in Deutschland – vor allem im Dienstleistungssektor anzutreffen, besonders in Pflegeberufen und in der Kreativbranche: "Freiberufliche Grafiker und Journalisten sind die klassischen Working Poor", sagt Schenk, und sieht einen Ausweg aus dieser Misere in einem "Ende der Scheinselbstständigkeit".

(21.01.2011)

Verweise zu diesem Artikel:
Der Bericht "Armutgefährdung und Lebensbedingungen in Österreich 2009"
Bericht des "Wirtschaftsblatt" vom 21.1.2011

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