Empfehlungen, Honorare und AGBs

Lektorat: Ehemalige Honorarempfehlung des VFLL 

32 Euro pro Stunde sind das Minimum; bei Aufträgen mit hohem Schwierigkeitsgrad sind auch 53 Euro und mehr gerechtfertigt: So lauteten die Eckwerte der Honorarempfehlungen, die der Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) zuletzt im Jahre 2008 veröffentlichte. Inzwischen gibt der Verband keine Honorarempfehlungen mehr heraus – an den Preisen aber hat sich wahrscheinlich kaum etwas verändert.


Honorarempfehlungen sind immer eine heikle Sache: Es handelt sich zwangsläufig um irgendwelche Mittelwerte, die die einen (die gut im Geschäft sind) als viel zu niedrig und manchmal sogar als geschäftsschädigend empfinden, während andere (die gerade anfangen) sie als unerreichbar hoch erleben. Manche Verbände lösen dieses Dilemma, indem sie Von-Bis-Werte nennen, andere definieren Zu- und Abschläge je nach Berufserfahrung, Ausstattung oder Eilbedürftigkeit des Auftrags. Der VFLL hat in dieser Zwickmühle beschlossen, ab 2011 gar keine Honorarempfehlungen mehr auszusprechen. Wichtiger sei, so der VFLL, dass jede Lektorin ihre Honorarforderungen individuell kalkuliert, und zwar betriebswirtschaftlich und sehr genau. Die Anleitung dazu fällt jedoch leider nicht allzu konkret aus, so dass mediafon hier weiterhin seine Zusammenfassung der letzten VFLL-Empfehlungen stehen lässt, um vor allem Berufsanfängern wenigstens eine Ahnung von der Größenordnung der Honorare im Lektorat zu geben – mit den oben genannten Vorbehalten.

Für die Jahre 2008/2009 empfahl der VFLL grundsätzlich eine Abrechnung nach Stundensätzen, die z.B. betragen sollten für
  • Korrektorat ab 32 €/h,
  • Stilistisches Lektorat ab 42 €/h,
  • Standard- und Übersetzungslektorat ab 47 €/h,
  • Werbe- sowie Fach- und Schulbuchlektorat ab 53 €/h,
Als Zuschläge sollten gegebenenfalls ca. 10 Prozent für das Handling sowie 50 bis 100 Prozent für Abend- und Wochenendarbeit vereinbart werden.

Um den voraussichtlichen Zeitaufwand zu ermitteln, empfiehlt der VFLL auch heute noch vorab ein Probelektorat von einigen repräsentativen Musterseiten oder Abschnitten; zur internen Kontrolle sollte die benötigte Arbeitszeit konsequent erfasst werden.

Bei längeren Arbeiten, insbesondere außerhalb des eigenen Büros, sah der VFLL auch Tagespauschalen als sinnvoll an. Sie sollten pro Arbeitstag (inkl. An- und Abreisezeit) 320 – 470 Euro betragen.

Bei Abrechnung nach Normseiten sei darauf zu achten, dass tatsächlich Seiten mit 30 Zeilen à 60 Anschläge (inklusive Leerzeilen und Leerzeichen) abgerechnet werden – das sind in der Praxis nämlich nur 1.500 – 1650 Zeichen pro Seite (und nicht, wie viele Verlage es "der Einfachheit halber" lieber rechnen, 1.800). Das Honorar für eine solche Seite eines durchschnittlich anspruchsvollen Manuskripts sollte 5,30 bis 8,90 € betragen.

Erfordert das Manuskript so intensive Eingriffe in den Text, dass der Lektorin dadurch eigene Urheberrechte erwachsen, sollte zusätzlich eine Beteiligung von 1 – 9 Prozent vom Nettoladenverkaufspreis vereinbart werden (9% vor allem bei aufwendigem Ghostwriting).

Keine Aussagen machten diese Empfehlungen zu Gutachten. Diese sollten mit 25 - 40 € pro Stunde deutlich über den üblichen Sätzen von 75 - 125 € pro Buch liegen sollten. Wo Verlage präzise Gutachten mit Korrekturvorschlägen und einer Einschätzung des Arbeitsaufwands brauchen, lassen sie sich auch heute schon auf Honorarforderungen von 300 - 400 € pro Buch ein. Darunter kann man Gutachten eigentlich nur übernehmen, wenn man sie als Akquisitionsmaßnahme versteht.

Der vollständige Text dieser – wohlgemerkt: nicht mehr aktuellen – Empfehlungen ist zwar nicht mehr auf der Website des VFLL, derzeit aber durchaus noch auf entsprechenden Archivseiten im Internet zu finden.

(12.02.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Die (zurückgezogenen) VFLL-Empfehlungen bei waybackmachine.org
VFLL-Tipps zur Honorarberechnung

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© 2017 mediafon
Quelle: www.mediafon.net//meldung_volltext.php3?id=4d56dfda56832&akt=empfehlungen_empfehlungen&view=print&si=5a06555900094&lang=1
Druckdatum: 20.11.2017, 10:34:35