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IT-Selbstständige
Jeder Dritte arbeitet noch für unter 70 Euro pro Stunde 

Obwohl ihre Honorare stagnieren, bleiben die Selbstständigen im IT-Bereich Vorbilder, was ihre Bezahlung und Selbsteinschätzung angeht: Gut die Hälfte von ihnen bekam von ihren Auftraggebern zuletzt Stundensätze zwischen 70 und 100 Euro. Für weniger als 70 Euro nahm nur jeder Dritte einen Auftrag an, knappe 20 Prozent bekamen 100 Euro und mehr. Das ist das Ergebnis der jüngsten Stundensatzumfrage, die das Projektvermittlungsportal GULP am 21. Oktober veröffentlicht hat.


Die "Stundensatzauswertungen", die www.gulp.de regelmäßig vornimmt und deren Ergebnisse auch mediafon regelmäßig berichtet, haben eine Schwäche: Sie fragen lediglich die Honorarforderungen ab, die die IT-Selbstständigen selbst stellen. Um herauszufinden, wie viel sie am Ende tatsächlich bekommen, hat GULP im vergangenen Frühjahr bereits zum dritten Mal nach 2013 und 2014 eine "Große Stundensatzumfrage" unter Selbstständigen im Bereich IT, EDV und Engineering durchgeführt, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Das Hauptergebnis ernüchtert zunächst: Trotz guter Konjunktur- und Projektmarktentwicklung ist für die Honorarentwicklung lediglich eine "schwarze Null" zu verzeichnen: Im Durchschnitt erhielten die 1.142 Selbstständigen, die an der Umfrage teilgenommen haben, einen "All-In"-Stundensatz (also inklusive Spesen, Reisekosten usw.) von 80,50 Euro – das sind ganze 50 Cent (oder 0,6 Prozent) mehr als bei der Umfrage des Vorjahres. Die IT-Selbstständigen sind "viel vorsichtiger geworden", interpretiert GULP dieses Ergebnis.

Erfreulich ist jedoch, dass dieser Entwicklung offenbar keine Ausweitung prekärer Auftragsverhältnisse zugrunde liegt: Der Anteil derer, die für weniger als 70 € pro Stunde arbeiten, ist gegenüber der Vorjahresumfrage von 33,1 auf 30,7 Prozent zurückgegangen; die Stundensatzgruppen darüber nahmen dagegen recht gleichmäßig zu. Dabei sehen sich keineswegs alle Selbstständigen mit diesen Sätzen angemessen bezahlt: 51,5 % der Befragten hatten ursprünglich einen höheren Stundensatz gefordert, als sie dann tatsächlich erhielten. Nur 29,4 % der Befragten gaben an, sie würden für ihr letztes abgewickeltes Projekt, wenn sie es heute noch einmal verhandeln könnten, denselben Preis verlangen wie damals vereinbart; dagegen würde mehr als die Hälfte (53,6 %) heute bis zu zehn Euro Stundensatz mehr verlangen, 14,5 % würden sogar mehr als 10 € auf ihre Stundensatzforderungen drauf schlagen. 42,2 % der Befragten haben für ihre nächstes Projekt denn auch einen höheren Stundensatz durchgesetzt als für das letzte des Jahres 2014, auf das sich die Befragung bezog.

Bezüglich der Zukunft herrscht kein allzu großer Optimismus: Nur 41,3 Prozent gehen davon aus, dass sie 2015 einen höheren Stundensatz erzielen als 2014; 6,6 Prozent glauben sogar, dass sie ihren Stundensatz senken müssen.

Auftraggeber der hier ausgewerteten Projekte waren in 52,2 Prozent der Fälle Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten weltweit; von Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten kamen lediglich elf Prozent der Aufträge. Die Befragten erzielten im Jahre 2014 insgesamt einen Bruttoumsatz von durchschnittlich 125.541 €, wovon ihnen im Schnitt 69.328 € als Gewinn übrig blieben. Nach der Einschätzung von drei Viertel der Befragten ist das mehr, als ihnen zum Leben bleiben würde, wenn sie fest angestellt wären. Dafür liegt ihre durchschnittliche Arbeitszeit aber auch bei 171,2 Stunden im Monat, wovon 22,1 Stunden für Verwaltung, Buchhaltung, Akquise sowie Fort- und Weiterbildung draufgehen. Als "Freelancer aus Überzeugung" bezeichnen sich vor diesem Hintergrund 94,0 Prozent der Befragten; 84,5 Prozent sind mit ihrer momentanen beruflichen Situation zufrieden – und trotzdem würden 31,5 Prozent eine Festanstellung "zu guten Konditionen" annehmen, wenn sie ihnen aktuell angeboten würde.

(25.10.2015)

Verweise zu diesem Artikel:
GULP-Pressemitteilung zur "Großen Stundensatzumfrage 2015"
Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage zum Download
Der mediafon-Ratgeber zur Frage "Was ist eigentlich ein angemessenes Honorar?"

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Quelle: www.mediafon.net//meldung_volltext.php3?id=562cf8595fe23&akt=empfehlungen_empfehlungen_archiv&view=print&si=5a064c5188e8f&lang=1
Druckdatum: 23.11.2017, 01:05:34