Investitionsabzugsbetrag (Rechtslage seit 2016)

Achtung: Mit dem "Steueränderungsgesetz 2015" wurden aus den Bestimmungen des § 7g EstG einige Streitpunkte entfernt. Der folgende Text gibt die neue, ab 2016 gültige Rechtslage wieder; die alte, bis Ende 2015 gültige Rechtslage ist bis auf Weiteres noch in einem eigenen Kapitel verfügbar.

Der Investitionsabzugsbetrag (der bis zum Jahr 2006 "Ansparabschreibung" hieß), ist in § 7g EstG geregelt und kann von Freiberuflern und Gewerbetreibenden unter folgenden Voraussetzungen geltend gemacht werden:

  • Der Betriebsgewinn darf im Jahr der Bildung der Rücklage 100.000 € nicht überschreiten; bei Gewerbebetrieben darf das Betriebsvermögen 235.000 € nicht überschreiten.
  • Ein Investitionsabzugsbetrag kann gebildet werden zur Anschaffung von Wirtschaftsgütern, die dann spätestens zum Ende des drittens Jahres nach Bildung der Rücklage gekauft und mindestens bis zum Ende des folgenden Jahres zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden müssen.
  • Die Rücklage darf höchstens 40 Prozent der geplanten Investitionssumme und höchstens 200.000 € betragen. Der gesamte Investitionsabzugsbetrag kann über mehrere Jahre hinweg "angespart" werden, darf aber insgesamt den Grenzwert von 200.000 € nicht überschreiten (Summe des aktuellen Jahres und der drei vorangegangenen Jahre nach Abzug in dieser Zeit aufgelöster und rückgängig gemachter Abzugsbeträge).
  • Ein bereits gebildeter Investitionsabzugsbetrag kann in einem Folgejahr aufgestockt werden. Die dreijährige Frist von der (ursprünglichen) Bildung des IAB bis zur Anschaffung verlängert sich dadurch jedoch nicht.
  • Im Jahr der Anschaffung muss der Investitionsabzugsbetrag dann gewinnerhöhend als Betriebseinnahme verbucht werden. Das ist in der Regel aber undramatisch, da für die Neuanschaffung zugleich die normale Abschreibung und auf Wunsch zusätzlich auch noch eine Sonderabschreibung geltend gemacht werden können.
  • Für die Abschreibung ist dann nicht der volle, sondern der um den Investitionsabzugsbetrag verminderte Anschaffungspreis maßgeblich. Beträgt der Anschaffungspreis nicht mehr als 813,16 € (brutto), so rutscht das Objekt dank dieser Regel unter die GWG-Grenze von 410 € (netto) und kann sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden.
  • Bildung und Auflösung der Rücklage müssen für das Finanzamt nachvollziehbar sein. Zwar muss bei Bildung der Rücklage nicht mehr genau benannt werden, welches Wirtschaftsgut zu welchem Preis gekauft werden soll; jedoch muss dem Finanzamt auf den elektronischen Steuerformularen mitgeteilt werden, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Höhe ein Investitionsabzugsbetrag gebildet wurde. Bei buchführungspflichtigen Betrieben muss die Bildung der Rücklage der Buchführung zu entnehmen sein.
  • Erlaubt ist die Rücklage ausdrücklich nur für "bewegliche Wirtschaftsgüter". Dazu zählen alle Maschinen, Geräte und Arbeitsmaterialien – nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 18. Mai 2011 aber keine Software! Wer also ein teures Programm braucht, darf es nur mit der normalen AfA absetzen, kann aber keinen Investitionsabzugsbetrag geltend machen.

Wer die Rücklage nicht spätestens zum oben genannten Termin für eine Investition nutzt oder wer das erworbene Objekt im folgenden Jahr nicht zu mindestens 90 Prozent betrieblich nutzt, muss die Rücklage "rückgängig machen". D.h. er muss für das Jahr, in dem er die Rücklage gebildet hat, eine neue, korrigierte Steuererklärung ohne Investitionsabzugsbetrag machen (auch wenn der ursprüngliche Steuerbescheid schon bestandskräftig ist) und die entsprechenden Mehrsteuern nachbezahlen; die Steuernachzahlung ist außerdem nach § 233a AO zu verzinsen.

Wer merkt, dass er die Drei-Jahres-Frist für die Anschaffung oder die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung nicht einhalten kann, oder wer den Abzugsbetrag ohnehin nur zur Steueroptimierung durch Gewinnverschiebung nutzen wollte, kann den Investitionsabzugsbetrag vom Jahre 2016 an auch – ganz oder teilweise – vorzeitig freiwillig rückgängig machen, wobei dann freilich die gleichen Bedingungen gelten, z.B. zur Verzinsung.

Eine Sonderregelung für Existenzgründer gibt es nicht mehr; jedoch können Existenzgründer den Investitionsabzugsbetrag schon vor der Betriebseröffnung – genauer: "in den Jahren vor Abschluss der Betriebseröffnung" – in Anspruch nehmen. Bei Abzugsbeträgen "für wesentliche Betriebsgrundlagen" geht das allerdings nur, wenn das ins Auge gefasste Objekt vor Ende des betreffenden Jahres bereits verbindlich bestellt wurde. Die übrigen ursprünglich mit der Ansparabschreibung eingeführten Sonderegeln für Existenzgründer wurden inzwischen wieder gestrichen.

Weitere Einzelheiten zu Zweifelsfragen (zur alten(!) Rechtslage) hat das Bundesfinanzministerium im BMF-Schreiben vom 20. November 2013 - IV C 6 - S 2139-b/07/10002 - (2013/1044077) erläutert.



Weitere Detailinformationen
Investitionsabzugsbetrag (Rechtslage bis 2015)


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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_detailtext.php3?id=566eeb94c8ea6&ref=&view=print&si=5a0687471a16e&lang=1
Druckdatum: 25.11.2017, 10:44:11