Umsatzsteuer

Wer selbstständig arbeitet, ist umsatzsteuerpflichtig. In der Regel jedenfalls. Und das ist für die meisten gar kein Nachteil. Wer sich noch nie mit dieser Endverbrauchssteuer auseinander gesetzt hat, sollte zunächst alles vergessen, was er über Steuern weiß. Denn die Umsatzsteuer ist eine Steuer, die Unternehmen kein Geld kostet. Sie kann - beim ermäßigten Steuersatz auf eigene Leistungen - sogar den Gewinn erhöhen. Die Umsatzsteuer, auch das wird gerne verwechselt, ist eine eigene Steuerart. Sie gehört bei Umsatzsteuerpflichtigen nicht in die Betriebsausgabenrechnung.

Grundinformationen zur Umsatzsteuer

Das ist ganz einfach erklärt: Unternehmen schlagen die Umsatzsteuer auf all ihre Rechnungen drauf – und müssen diese Beträge dann an das Finanzamt abführen. Aber nicht in voller Höhe: Vorher dürfen sie davon die Umsatzsteuer abziehen, die sie selbst auf ihre Einkäufe gezahlt haben. Abgeführt wird also nur die Steuer auf den "Mehrwert", den das Unternehmen geschaffen hat, weshalb diese Art von Umsatzsteuer "Mehrwertsteuer" heißt. (Und damit niemand zu rätseln anfängt: Die Begriffe "Umsatzsteuer" und "Mehrwertsteuer" meinen in der Praxis immer dasselbe.)

Im Grunde ist die Umsatzsteuer für Unternehmen also ein Nullsummenspiel. Wer bilanziert, macht seine Buchhaltung deshalb auch immer nur mit Nettobeträgen; für die Mehrwertsteuer führt er ein extra Konto, das am Jahresende immer mit Null abschließt.

Das mit dem Nullsummenspiel gilt jedoch nur für Selbstständige, die schon umsatzsteuerpflichtig sind. Sind sie es nicht, so ist die Umsatzsteuer, die sie auf ihre Betriebsausgaben zahlen (und die auf den rätselhaften Namen "Vorsteuer" hört), für sie verloren. Wer dagegen umsatzsteuerpflichtig ist, kann sich diese Vorsteuer sozusagen vom Finanzamt zurückholen.

Der Pferdefuß

Im normalen Leben führt die Umsatzsteuerpflicht also nie zu zusätzlichen Ausgaben, solange kommerzielle Unternehmen die Mehrwertsteuer zusätzlich zum Honorar bezahlen. Ob etwa ein IT-Konzern 15.000 € netto oder den gleichen Betrag zuzüglich Mehrwertsteuer, also 17.850 € brutto bezahlt, macht für ihn überhaupt keinen Unterschied: Die 2.850 € Mehrwertsteuer holt er sich komplett vom Finanzamt zurück, indem er sie von seiner Umsatzsteuerschuld abzieht.

Teurer wird die Umsatzsteuer für Selbstständige dann, wenn der Endkunde sie nicht dem Finanzamt in Rechnung stellen kann. Das gilt für alle, die nicht mit kommerziellen Kunden zu tun haben: Sie verkaufen Bilder an Privatleute, schreiben für kirchliche Medien, lesen in öffentlichen Bibliotheken, spielen in kommunalen Einrichtungen, unterrichten an Volkshochschulen oder arbeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das alles sind Kunden, die selbst von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind. Für die bedeutet die Mehrwertsteuer eine echte Mehrausgabe, da sie gar keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, von der sie die Vorsteuer abziehen könnten.

Einigen dieser Auftraggeber kann man die Umsatzsteuer trotzdem berechnen, andere bestehen aber darauf, einen Endpreis inklusive Umsatzsteuer zu zahlen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beispielsweise zahlen keine zusätzliche Mehrwertsteuer auf die Honorare. Die Umsatzsteuer wurde irgendwann mal in die tariflichen Honorarsätze "eingepreist".

In der Praxis führt das zu einer Honorarminderung, denn von den umsatzsteuerpflichtigen Selbstständigen will das Finanzamt seinen Mehrwertsteueranteil trotzdem haben – ob der Auftraggeber ihn bezahlt hat oder nicht. Erhält beispielsweise eine mehrwertsteuerpflichtige Journalistin 15.000 € Honorar von einer Rundfunkanstalt, verbucht sie das Finanzamt als 14.018,69 € netto plus 981,31 € MwSt. Bei einem Volkshochschuldozenten, für den die Mehrwertsteuer 19 Prozent beträgt, sieht die Rechnung noch schlechter aus: 12.605,04 € netto plus 2394,96 € Umsatzsteueranteil.

Im Ergebnis ähnlich sieht es bei Kunstsammlern aus: Wer bereit ist, privat 2.000 € für ein Bild auszugeben, dem ist es wurscht, ob das 2.000 € netto oder 2.000 € inkl. MwSt. sind. Für den Maler aber sind es im einen Fall 2.000 €, im anderen lediglich 1.869,16 € (zzgl. 7% = 130,84 € MwSt.). Er könnte also, wenn er nicht mehrwertsteuerpflichtig ist, möglicherweise höhere Nettopreise erzielen als seine mehrwertsteuerpflichtige Kollegin. Auch für eine Gemeindeverwaltung bedeutet die Mehrwertsteuer auf der Honorarrechnung eines freien Theaters eine echte Zusatzausgabe.

Wann lohnt sich die Mehrwertsteuer?

Im Kunst-, Medien- und Bildungsbetrieb kann die Umsatzsteuerpflicht also Geld bringen oder auch kosten – je nachdem, was für Kunden man hat:

  • Sie bringt Geld bei Kunden, die die Mehrwertsteuer problemlos zusätzlich zum Honorar bezahlen, weil sie sie selbst als Vorsteuer geltend machen können. Dazu zählen alle normalen Unternehmen wie Buch- und Plattenverlage, Privatsender, Film- und Fernsehproduktionsfirmen, Galerien, kommerzielle Veranstalter, Musikkneipen.
  • Sie kostet Geld bei Kunden, die feste Honorarsätze haben und sich weigern, die Mehrwertsteuer zusätzlich zu bezahlen. Dazu zählen alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und einige (nicht alle) kirchliche Einrichtungen.
  • Dazwischen gibt es eine Grauzone von privaten Kunden, kommunalen Stellen und kulturellen Einrichtungen, von denen manche zwar von der Umsatzsteuerpflicht befreit, trotzdem aber bereit sind, die Mehrwertsteuer zusätzlich zum vereinbarten Honorar zu zahlen. Zu prüfen ist aber, ob sie nicht ohne Mehrwertsteuer zu einer höheren Honorarvereinbarung bereit wären – etwa weil sie einen festen Etat haben. Da muss man, wenn es regelmäßige Kunden sind, einfach mal fragen.

Ob sich die Mehrwertsteuerpflicht insgesamt lohnt, hängt ab vom Anteil der "normalen" Kunden und von der Höhe der Vorsteuer. Je höher beide sind, umso besser rechnet sich die Umsatzsteuerpflicht.

Das Verfahren

Leider können Selbstständige nur in wenigen Fällen selbst entscheiden, ob sie umsatzsteuerpflichtig sein wollen oder nicht. Grundsätzlich sind sie umsatzsteuerpflichtig – eine Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht ist nur möglich für Kleinunternehmer und für bestimmte Leistungen in den Bereichen Musik, Theater und Bildung; außerdem ist die ehrenamtliche Tätigkeit umsatzsteuerfrei. Daneben gibt es noch einige Einnahmen, die nicht unter das deutsche Umsatzsteuergesetz fallen und deshalb nicht steuerbar sind.

Wer von der Umsatzsteuerpflicht befreit ist, darf keine Mehrwertsteuer erheben – das Wort darf auf seinen Rechnungen also gar nicht auftauchen. Eine Umsatzsteuererklärung müsste er nach den Buchstaben des Gesetzes dann zwar eigentlich trotzdem machen; in der Praxis meckert aber kaum ein Finanzamt, wenn er das nicht tut – solange sich sein Umsatz eindeutig aus der Einnahmen-Überschussrechnung ergibt.

Wer umsatzsteuerpflichtig ist, muss auf jeder Rechnung den Mehrwertsteuersatz, der für die jeweilige Leistung vorgeschrieben ist, und (mit Ausnahme von Kleinbetragsrechnungen) auch den Mehrwertsteuerbetrag verzeichnen. Wer ohne Rechnung an Privatkunden verkauft, z.B. Kunstwerke, Software oder den gebrauchten Dienstwagen, muss aus dem Kaufpreis die Mehrwertsteuer "herausrechnen". Die Formel dazu lautet:

"Endpreis geteilt durch 1,19 bzw. 1,07 ergibt den Nettopreis. Dieser zuzüglich 19 bzw. 7% ergibt wieder den Endpreis."

Alle Mehrwertsteuereinnahmen und -ausgaben (Vorsteuer) werden einmal im Jahr in der Umsatzsteuererklärung zusammengefasst – die Differenz wird an das Finanzamt überwiesen. Wer neu anfängt, muss eine solche Abrechnung bis zum Ende des zweiten Jahres monatlich, danach in der Regel vierteljährlich machen. Das nennt sich Umsatzsteuervoranmeldung und ist so eine Art vorläufige Umsatzsteuererklärung.

Für eine Reihe von Selbstständigen in Handwerk und Einzelhandel sowie in künstlerischen und publizistischen Berufen gibt es dazu ein vereinfachtes Verfahren: die Berechnung der Vorsteuer nach Durchschnittssätzen, die oft auch noch spürbare finanzielle Vorteile bringt.



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Druckdatum: 19.11.2017, 05:50:01