Interessenvertretung

Wenn selbstständige Arbeit einen grundsätzlichen Nachteil hat, dann ist es die Vereinzelung. Besonders Freie in kreativen Berufen, die keine eigenen Angestellten haben, haben oft lange Arbeitsphasen, in denen sie ganz auf sich selbst konzentriert sind, ohne zwingende Kontakte zur Außenwelt. Dabei sind gerade sie auf solche Kontakte angewiesen, auf Kritik, auf Austausch, auf Erfahrungen anderer, auf Klatsch, auf berufsfachliche Informationen.

Die Mitgliedschaft in einem Berufsverband erscheint vor diesem Hintergrund unverzichtbar, gerade beim Start in die Selbstständigkeit. Ein solcher Verband sollte Kommunikation fördern, z.B. über eine Zeitschrift, über Mailinglisten und Websites, über Stammtische vor Ort. Er sollte die fachliche Diskussion fördern und alle nötigen Informationen zur selbstständigen Arbeit liefern, z.B. in Steuer-, Versicherungs-, Rechts- und berufsinhaltlichen Fragen. Sollte Lobbyarbeit machen, seine Mitglieder fundiert beraten, Fortbildungen anbieten und ihnen am besten auch gleich Rechtsschutz gewähren.

Grundinformationen zu ver.di

Welche Verbände da in Frage kommen, das hängt vom Beruf ab – und auch von der persönlichen Einstellung. In etlichen Berufen hat sich in den letzten Jahren die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di als kompetente Interessenvertretung erwiesen – gerade für "kleine" Selbstständige, die in den klassischen Unternehmer- und Arbeitgeberverbänden immer unter den Tisch fallen.

Auch wenn die Begriffe "Gewerkschaft" und "Selbstständige" manchem als unvereinbar erscheinen – die Arbeit, die der Verband deutscher Schriftsteller (VS) und die Deutsche Journalisten-Union (dju) schon vor Jahrzehnten in der alten IG Druck und Papier begonnen und in der IG Medien weitergeführt haben, bezieht sich in ver.di inzwischen auf ein buntes Spektrum von Berufen. Nach dem Prinzip "Die Gewerkschaft ist für alle da, die von ihrer eigenen Hände Arbeit leben. Und wenn es der Kopf ist", hat ver.di inzwischen über 30.000 Selbstständige als Mitglieder organisiert.

Die Grenze liegt dort, wo Selbstständige ihrerseits Angestellte beschäftigen: Natürlich wird ver.di keine Arbeitgeber gegen ihre Arbeitnehmerinnen vertreten und auch keinen Rechtsschutz bei typischen Unternehmerproblemen geben. Aber alle, die ihre selbstständige Arbeit im Wesentlichen selber machen, sei es als Hebamme oder Ausstellungskuratorr, als Schmuck- oder Softwaredesignerin, als Dozentin oder Jazzer, als Kurierfahrer, freier Journalist oder Literaturübersetzerin, haben ihren Platz in ver.di.

Das funktioniert, wie man nicht zuletzt an diesem Ratgeber sieht, der auch ein Produkt dieser gewerkschaftlichen Arbeit ist. Und an der Selbstständigen-Beratung mediafon, die einmalig in Deutschland ist. ver.di schließt darüber hinaus Tarifverträge für Freie an Rundfunkanstalten und Tageszeitungen ab, ver.di sitzt in den Aufsichtsgremien der Künstlersozialversicherung, und seit der Reform des Urheberrechts ist ver.di die wichtigste Verhandlungspartnerin der Verlage, Film- und Musikproduzenten und Rundfunkanstalten bei der Festlegung "angemessener" Honorare für Urheber und Urheberinnen geworden. Für belletristische Werke und für Artikel in Tageszeitungen wurden solche "gemeinsamen Vegütungsregeln" bereits abgeschlossen. Wenn auch mancher Berufsverband in seiner Branche mehr Mitglieder hat als ver.di – was die berufsübergreifende Interessenvertretung für allein arbeitende Selbstständige angeht, ist ver.di unbestritten führend in Deutschland, ja sogar in Europa.

In einigen Branchen ist ver.di "der" Verband auch für die berufsbezogene Interessenvertretung von Selbstständigen, vor allem für freie Journalisten und Journalistinnen oder etwa für Musikschullehrkräfte. In anderen Bereichen ist der Weg noch ein bisschen weiter. Wer als Selbstständiger zu ver.di kommt, darf kein gemachtes Bett erwarten. Dafür umso mehr Chancen, mitzugestalten. Und wenn erst mal der erste Auftraggeber das Honorar nicht überweisen will, dann merkt man auch, dass ver.di nicht nur starke Worte, gute Ratgeber, Fachdebatten und andere ideelle Vorteile bietet: Natürlich übernimmt die Gewerkschaft in so einem Fall auch ganz handfest den Rechtsschutz für Selbstständige.



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Druckdatum: 24.11.2017, 15:51:23