Der Start
Wer sich mit seiner eigenen Arbeit selbstständig machen will, hat in vielen, besonders in kreativen und Bildungsberufen das große Privileg, einfach anfangen zu können – ohne große Genehmigungen, ohne große Investitionen, ohne allzu großes Risiko. Man kann diese selbstständige Arbeit sogar neben einem anderen Job ausprobieren, sich langsam herantasten – das macht den endgültigen Schritt viel leichter. Entscheidend für den Erfolg ist, dass man gute Arbeit leistet und Kunden findet, die diese Arbeit zu schätzen wissen.
Grundinformationen zur Existenzgründung
Von dieser Regel sollte man sich auch von den vielen Experten nicht abbringen lassen, die spätestens beim Stichwort "Existenzgründung" auf den Plan treten und alles tun werden, um diesen einfachen Übergang zu verkomplizieren. Natürlich ist es wichtig, dass man einen Plan hat, wohin man will, und dass dieser Plan gut ist. Aber es ist nun mal schlichter Blödsinn, für eine freie Lektorin eine Rentabilitätsberechnung aufzustellen; und dem Volkshochschuldozenten den Unterschied zwischen den verschiedenen Existenzgründungskrediten beizubringen, geht auch ein bisschen an dessen Bedürfnissen vorbei: Einen Kredit, wie er ihn eventuell braucht, nämlich einen für die Lebenshaltungskosten in der Anfangsphase, gibt es sowieso nur einmal – nämlich das KfW-Startgeld der KfW-Mittelstandsbank. Die übrigen 999 Existenzgründungskreditprogramme, bei denen es ausschließlich um Investitionskredite geht, kann er getrost ignorieren.
Womit nichts gegen Existenzgründungsberatungen gesagt sein soll – im Gegenteil. Man muss nur wissen, dass vermutlich 95 Prozent der Existenzgründerseminare an den Bedürfnissen der allein arbeitenden Selbstständigen vorbei gehen, für die dieser Ratgeber geschrieben ist. Und dass Existenzgründungsberatung längst ein Geschäft geworden ist, von dem viele leben wollen.
Deshalb enthält dieser Ratgeber keinen Test "Bin ich ein Unternehmertyp?", keine "Checkliste zur Existenzgründung", kein Verzeichnis von Beratungsstellen und auch kein Kapitel zu Existenzgründungsdarlehen. Davon gibt es im Internet so viele, dass man ihnen wirklich keine weiteren hinzufügen muss. Wer so etwas braucht, kann zum Beispiel bei der Förderberatung für kleine und mittlere Unternehmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Hotline: 0800 2623009) anfangen. Die sagen einem auch, wo man die Informationen bekommt, die sie nicht selbst verfügbar haben.
Ansonsten sollte man vor allem versuchen, vor Ort Kontakt zu Leuten zu finden, die Ähnliches vorhaben – oder schon gemacht haben. In vielen Städten organisieren die verschiedensten Institutionen (auch ver.di) Gründerstammtische oder berufsspezifische Treffen von Selbstständigen. Die Erfahrungen, die dort versammelt sind, sind meist viel hilfreicher als das übliche "Expertenwissen". Einige Termine stehen auf dieser Website.
Und dann fangt einfach an – es ist leichter, als ihr denkt. Wer keine großen Investitionen vorhat, muss als Gewerbetreibender ein Gewerbe anmelden, als Freiberuflerin das Finanzamt informieren. Mehr Startformalitäten werden zunächst nicht verlangt. Um eine Krankenversicherung muss – um die Mitgliedschaft in einer Berufsorganisation sollte man sich aus eigenem Interesse kümmern.
Wer das Glück (?) hat, Anspruch auf Arbeitslosengeld (I) zu haben, kann als Starthilfe von der Arbeitsagentur einen schönen Batzen Geld bekommen: den Gründungszuschuss. Wer Arbeitslosengeld II bezieht, kann zum gleichen Zweck "Einstiegsgeld" bekommen. Und wer die Selbstständigkeit nebenberuflich ausprobieren kann – neben einem Angestelltenjob, neben der Ausbildung, während der Arbeitslosigkeit oder in der Familienphase –, sollte diese Chance nutzen. Dass die Grenzen für Arbeitszeit und Einkommen beim nebenberuflichen Einstieg zum Teil sehr eng gesetzt sind, sollte niemanden abschrecken:
Traut euch einfach, den Schritt in die richtige Selbstständigkeit zu machen! Selbstständigkeit ohne Risiko gibt es nicht. Dieses Risiko mindert man am wirkungsvollsten, indem man sich voll und ganz auf die Selbstständigkeit einlässt.
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