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Gewinnsteuern

Selbstständige müssen Steuern zahlen. Meist sogar verschiedene Steuern: Die Einkommensteuer trifft alle, die von dieser Arbeit leben; die Umsatzsteuer ist für Selbstständige in der Regel Pflicht; Gewerbetreibende unterliegen der Gewerbesteuer; und wer eine GmbH gegründet hat oder sein Geschäft als Verein betreibt, muss Körperschaftssteuer zahlen.

Steuern sind bei vielen, die sich gerade selbstständig machen, ein Angstthema – zu Unrecht. So kompliziert ist das Steuerrecht nun auch wieder nicht. Wer ohne Angestellte selbstständig arbeitet, kann seine Steuererklärung problemlos selber machen. Ob er es will, ist eine andere Frage. Aber auch wer das lieber einer Steuerberaterin überlässt, sollte sich ein wenig mit dem Thema Steuern auseinandersetzen: Es hilft, das eigene Geschäft im Alltag zu verstehen.

Zudem erwarten die Finanzämter von Selbstständigen Selbstständigkeit auch in Steuersachen. Da gibt es niemanden mehr, der – wie der Arbeitgeber bei Arbeitnehmern – qua Gesetz dafür sorgt, dass ich meine Steuern korrekt und pünktlich bezahle. Auch die Ausrede "Aber das hätte mir das Finanzamt doch sagen müssen" zieht nicht: Selbstständige müssen sich selbst informieren. Wer Fristen überzieht, muss mit Strafgeldern rechnen. Und wer gar keine Steuererklärung abgibt, obwohl er das müsste, begeht sogar eine Straftat. Steuerhinterziehung kann richtig teuer werden.

Grundinformationen zu Steuern für Selbstständige

Die Besteuerung von Selbstständigen funktioniert so: Sie müssen einmal im Jahr ausrechnen, welchen Gewinn sie im vergangenen Jahr gemacht haben. Gewinn sind alle Einnahmen abzüglich der Kosten, die ihnen im Rahmen der selbstständigen Arbeit entstanden sind. Diesen Gewinn tragen sie in ihre Einkommensteuererklärung – und gegebenenfalls die Gewerbesteuererklärung – ein. Wer noch Einkünfte aus anderen, nicht selbstständigen Tätigkeiten hat – kein Problem: Man trägt sie ebenfalls in die Formulare zur Einkommensteuererklärung ein.

Aus der Summe all dieser Einkünfte errechnet das Finanzamt dann die Steuerschuld für das betreffende Jahr. Die steht im Steuerbescheid, in dem das Finanzamt auch Steuervorauszahlungen festlegt, die man von da an vierteljährlich zu leisten hat.

Ein wenig anders geht das bei der Umsatzsteuer, die im nächsten Kapitel genauer erläutert wird. Dort müssen Selbstständige in der Regel vierteljährlich – Existenzgründer sogar monatlich – eine Umsatzsteuervoranmeldung machen, die so eine Art provisorische Umsatzsteuererklärung ist. Vorteil dieses Verfahrens: Wer hohe Ausgaben und geringe Einnahmen hat, bekommt Umsatzsteuer vom Finanzamt zurück – in diesem Fall eben besonders schnell.

Anders als bei Arbeitnehmern erfolgt die Besteuerung von Selbstständigen in einem zweistufigen Verfahren: In der ersten Runde bekommen sie einen Steuerbescheid ohne große Prüfung "unter Vorbehalt", und erst in der zweiten Runde prüft das Finanzamt den ganzen Papierkram ausführlich vor Ort in einer Betriebsprüfung. Bei kleinen Selbstständigen allerdings findet diese zweite Runde äußerst selten statt – bei Betrieben mit bis zu 32.000 € Jahresgewinn im Durchschnitt weniger als einmal in einem kompletten Berufsleben.

Wie zahle ich am wenigsten Steuern?

Da gerade unter kleinen Selbstständigen alle möglichen Tipps und Weisheiten kursieren, wie man seine Steuerlast minimieren kann, sei hier eines klargestellt: Wer wenig Steuern zahlen will, darf nicht so viel verdienen. Alles andere funktioniert nicht. Die vier häufigsten Missverständnisse sind diese:

  • "Selbstständige können alles absetzen", hört man oft ein wenig neidisch von Nicht-Selbstständigen, und dabei schwingt der Vorwurf mit, Selbstständige würden vom Fiskus besser behandelt als Arbeitnehmer. Stimmt nicht: Natürlich können Selbstständige alle Ausgaben, die sie für ihre Arbeit tätigen, von ihren Einnahmen abziehen, bevor diese versteuert werden. Aber Arbeitnehmer können das genauso. Was bei Selbstständigen die Betriebsausgaben sind, sind bei Arbeitnehmern die Werbungskosten – die Kriterien für beide sind nahezu identisch. Wenn Selbstständige höhere Beträge "absetzen" können als Arbeitnehmer, dann nur, weil sie höhere Ausgaben haben. Was ja nicht gerade ein Vorteil ist – der Arbeitnehmer muss seinen Arbeitsplatz, seine Arbeitsgeräte und seine Dienstreisen ja in der Regel nicht aus eigener Tasche bezahlen. Und wenn euch ein Selbstständiger erzählt, er habe seine Sofa-Garnitur im Wohnzimmer "von der Steuer abgesetzt" – fragt ihn mal, ob er dafür schon eine Betriebsprüfung hatte. Er könnte sich noch wundern (wenn es denn überhaupt stimmt). Der Glaube, man würde sich "steuerlich besser stehen", wenn man einen Arbeitnehmerjob als "freier Mitarbeiter" macht, ist jedenfalls blanker Unsinn: In aller Regel fährt man dabei sogar schlechter, weil man die Sozialversicherung allein bezahlen muss und bei Krankheit und im Urlaub gar nichts bekommt. Ganz abgesehen davon, dass es sich dabei dann meist um scheinselbstständige Beschäftigungen handelt.
      
  • "Kosten machen, um Steuern zu sparen": Auch diese Anweisung, die man sogar von Steuerberatern hört, ist ziemlicher Quatsch – solange sie nicht meint, dass man große Ausgaben von einem mageren Jahr auf eines mit hohen Einnahmen verschieben soll. Das kann sinnvoll sein. Ansonsten muss man das Geld für die Kosten, die man steuermindernd vom Gewinn abziehen kann, ja erst mal ausgeben. Und da gilt selbst beim höchsten Steuersatz, der "Reichensteuer": Eine Ausgabe von 1.000 € senkt die Einkommensteuer um 450 €. Plus 24,75 € Solidaritätszuschlag. Die restlichen 525,25 € sind weg. Viel richtiger ist: Netto behält am meisten übrig, wer möglichst wenig "Kosten macht".
      
  • "Ich lass' mir nichts gefallen": Gerade dem Finanzamt gegenüber erweisen sich manche Leute als heldenhafte Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit – und bombardieren ihre Sachbearbeiterin mit Widersprüchen, langen Schriftsätzen, Dienstaufsichtsbeschwerden und manchmal auch Beschimpfungen. Kann man machen, wenn es einem damit besser geht. Aber man sollte auch überlegen, wie es der Sachbearbeiterin damit geht. Verständlich wäre, wenn sie danach nur noch eingeschränkt zu kulantem Verhalten bereit wäre. Wer die Sachbearbeiterin dagegen mal anruft und die Sache ruhig am Telefon bespricht, wer sie mal fragt, wie er ein bestimmtes Problem korrekt angehen soll, wer seiner Steuererklärung ein nettes Begleitschreiben mit ein paar Erläuterungen beifügt – der wird das Gegenteil erleben. Ist doch klar: Finanzbeamte sind auch Menschen. Und sie reagieren anders, wenn sie bei einem Problem einen konkreten Menschen vor Augen haben – und nicht nur eine Steuernummer oder gar einen Querulanten. Kollegen, die mit den Unterlagen für ihre erste Steuererklärung persönlich beim Finanzamt vorbeigegangen sind, berichten nicht nur von großer Hilfsbereitschaft, sondern auch von einem erfreulich positiven Gesprächsklima, das sich über Jahre hielt.
      
  • "Das merken die doch sowieso nicht": Angesichts des Vertrauens, das Finanzämter Selbstständigen entgegenbringen, ist mancher schon auf die Idee gekommen, einfach nicht alle Einnahmen anzugeben – "wie sollen die das denn merken?" Vorsicht: Die merken das! Finanzämter informieren sich gegenseitig von ihren Betriebsprüfungen. Liegt zum Beispiel einem Finanzamt aus der Prüfung einer Kneipe ein Beleg vor, dass diese einem Mucker 250 Euro für einen Liveauftritt bezahlt hat, und findet sich diese Einnahme nicht in dessen Einnahmenüberschussrechnung, dann dürfte sich bald ein Steuerprüfer bei ihm zur Betriebsprüfung ansagen. Und wenn sich dann zeigt, dass er Einnahmen verschwiegen hat, dann ist das ein Straftatbestand, der neben der Steuernachforderung eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen kann. Also: Versucht nie, bei den Einnahmen herumzutricksen.
    Wer dagegen unsicher ist, ob er eine bestimmte Ausgabe als Betriebsausgabe abziehen darf: Tut es einfach. Wenn das Finanzamt damit nicht einverstanden ist, wird es das schon sagen. Ohne große Konsequenzen: Eine andere Rechtsauffassung zu haben als das Finanzamt ist schließlich nicht strafbar.

Steuern müssen sein. Steuererklärungen sind was ganz Normales. Wer sich einmal von den drei großen Vorurteilen befreit hat, dass das deutsche Steuersystem nie und nimmer zu verstehen ist, dass Finanzbeamte unsere natürlichen Feinde sind und dass man seine Steuerlast unbedingt auf Null drücken muss – der kann an dieses Thema ganz gelassen herangehen und wird feststellen: Ist gar nicht so schwer. Dazu sollen die Steuerkapitel in diesem Ratgeber beitragen.



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