Problemfall Scheinselbstständigkeit

Zu wenigen Themen sind unter Selbstständigen so viele falsche Gerüchte so hartnäckig in Umlauf wie zum Thema Scheinselbstständigkeit. Um nur die Wichtigsten vorab auszuräumen, sei zunächst festgestellt:

  • Wie viele Auftraggeber ein Selbstständiger hat, spielt keine Rolle für die Frage, ob seine Arbeit als scheinselbstständig eingestuft wird. Er kann mit einem Auftraggeber selbstständig sein – und mit fünfen scheinselbstständig.
  • Scheinselbstständig ist immer nur das Auftragsverhältnis, niemals die ganze Person: Wenn einer meiner Verträge als scheinselbstständig eingestuft wird, kann ich trotzdem für meine anderen Kunden als Selbstständiger weiterarbeiten – und umgekehrt.
  • Schwierigkeiten bekommt der Auftraggeber, wenn ein Vertrag als scheinselbstständig eingestuft wird – nicht die Auftragnehmerin. Die Paragraphen zur Scheinselbstständigkeit sind zum Schutz der Auftrag- und Arbeitnehmer da.

Vor allem sollen diese Bestimmungen verhindern, dass Arbeitgeber sich um ihre gesetzliche Pflicht drücken, für ihre Arbeitnehmer die vorgeschriebenen Abgaben zur gesetzlichen Sozialversicherung abzuführen und sie gegebenenfalls nach Tarifvertrag zu bezahlen. Diese Pflicht gilt für Auftraggeber immer dann, wenn ihr Vertragspartner ihren Weisungen unterworfen ist und sie ihm seine Arbeitszeit vorschreiben können. Ist das der Fall, handelt es sich auch bei "Freien", "Pauschalisten" und "Honorarkräften" nicht um Selbstständige, sondern um abhängig Beschäftigte, also um Arbeitnehmer, die lediglich scheinselbstständig sind.

Ist keine Scheinselbstständigkeit gegeben, sollte ein Selbstständiger trotzdem beachten: Wer auf Dauer nur einen Auftraggeber hat und keine Angestellten beschäftigt, kann als "arbeitnehmerähnlich Selbstständiger" rentenversicherungspflichtig sein. Und ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell ist es auch dann nicht.

Zur Statusfeststellung von Erwerbstätigen haben die Träger der Sozialversicherung gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit in 2010 ein Rundschreiben mit sechs Anlagen herausgegeben, die insbesondere noch einmal spezifische Aussagen für einzelne Berufsgruppen treffen.

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Scheinselbstständigkeit: Was ist das?
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Scheinselbstständigkeit: die Folgen
Weitere interessante Links
Direkt zum Rundschreiben 'Statusfeststellung' der SV-Träger (PDF)
Anlage 1: Abgrenzungskatalog für Theater, Orchester, Rundfunk, Film und Fernsehen
Anlage 2: Versicherungsrechtliche Beurteilung von Handelsvertretern
Anlage 3: Versicherungsrechtliche Beurteilung von GmbH-Geschäftsführern
Anlage 5: Abgrenzungskatalog für weitere Berufsgruppen



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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_haupttext.php3?id=40102719b052c&ref=h_40150d6c259c9&si=5a064c5188e8f&view=print&lang=1
Druckdatum: 17.11.2017, 18:29:19