Freiberufler: Vorsicht bei gewerblicher Nebentätigkeit!

Die Abgrenzung freiberuflich/gewerblich ist für Viele zum Problem geworden, seit Auftraggeber immer öfter "Komplettangebote" verlangen oder freiberuflich Selbstständige Zusatzjobs annehmen, um ihr Honorar aufzubessern. Das scheint selbstverständlich und normal, jedoch verlangt das Steuerrecht einen Purismus, der immer schwerer durchzuhalten ist. Die gleichen Probleme wie bei freiberuflich Solo-Selbstständigen tauchen auch auf, wenn Freiberufler sich zusammenschließen und dabei einen nicht-freiberuflichen Partner ins Boot holen: Wenn nicht ausnahmslos alle Beteiligten eines Zusammenschlusses auch selbst freiberuflich tätig sind, führt das nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zur Gewerblichkeit aller Beteiligten. Egal ob allein oder im Kollektiv: Das Ausführen auch naheliegender Tätigkeiten kann für Angehörige der freien Berufe zu Schwierigkeiten führen. Wenn zum Beispiel

  • Lektoren auch den Satz und Druck für komplette Bücher abwickeln,
  • PR-Journalistinnen den Versand von Pressemitteilungen und die Organisation von Pressekonferenzen übernehmen,
  • Grafik-Designerinnen auch Anzeigen für die Zeitschriften akquirieren, die sie layouten, oder von Druckereien Provisionen für die Vermittlung von Aufträgen kassieren,
  • freiberufliche IT-Berater eigene Server betreiben und vermieten oder
  • Musikgruppen Merchandising-Artikel verkaufen,

so sind das keine freiberuflichen Tätigkeiten mehr, sondern eindeutig gewerbliche.
Ebenso schädlich ist es für den Status, wenn freiberufliche Tätigkeiten ausgelagert werden und man selbst oder auch eine GbR die Arbeiten nicht mehr - wie im §18 EStG verlangt - "leitend und eigenverantwortlich" ausführt. Dann kann die Verteilung von Unteraufträgen zur gewerblichen Tätigkeit werden. Hierzu entschied etwa der Bundesfinanzhof im Februar 2017 (Aktenzeichen VIII R 45/13), dass eine Übersetzer-GbR, die auch Übersetzungen in Sprachen liefert, die die Gesellschafter nicht beherrschen, gewerblich wird, wenn der "Zukauf von Fremdübersetzungen regelmäßig und in nicht unerheblichem Umfang auch in anderen Sprachen" erfolgt.

Das Gemeine dabei ist, dass gewerbliche Tätigkeiten nach Auffassung der Finanzämter die freiberufliche Tätigkeit "infizieren". Das heißt: Hier kommt es nicht auf die überwiegende Tätigkeit an, sondern schon ein gewerblicher Anteil von mehr als drei Prozent vom Umsatz oder ein gewerblicher Umsatz von mehr als 24.500 € führt dazu, dass das Finanzamt die gesamte Tätigkeit als gewerblich einstuft (BFH-Urteile VIII R 16/11, VIII R 41/11 und VIII R 6/12,, alle vom 27.8.2014).

Allerdings sind drei Konstellationen denkbar, in denen diese "Infektion" nicht eintritt:

  • Eine Einzelperson kann gleichzeitig freiberuflich und gewerblich tätig sein und die verschiedenen Jobs nach den jeweiligen Vorschriften betreiben, solange beide nichts miteinander zu tun haben. Die Übersetzerin, die nebenbei als Agentin eine befreundete Künstlerin vermarktet, übersetzt ihre Romane freiberuflich, in der Vermittlungstätigkeit ist sie gewerblich tätig. Voraussetzung ist jedoch, dass sie beide Jobs in den Einnahmen und Ausgaben klar und nachvollziehbar voneinander trennt (getrennte Konten, getrennte Rechnungen, getrennte Buchführung). Ansonsten kann ihre gesamte Tätigkeit als gewerblich eingestuft werden. Aber auch wer sauber trennt, muss für den gewerblichen Teil ein Gewerbe anmelden!
  • Die steuerliche "Abfärberegel" gilt auch für eine Personengesellschaft. Eine GbR oder auch eine KG gilt nur so lange als freiberuflich, wie alle Mitglieder im Rahmen der Gesellschaft fast ausschließlich freiberuflich tätig sind. Will das Journalistenbüro auch unveränderte Texte von Dritten vermarkten, so müssen seine Mitglieder dazu eine neue (gewerbliche) Gesellschaft gründen. Hier gilt erst recht: strenge Trennung von Konten, Rechnungen und Buchführung, am besten sogar von Betriebsräumen. Sonst verlieren alle den Status der Freiberuflichkeit für ihre gesamte Tätigkeit. (Bedingung für den freiberuflichen Status der GbR ist außerdem - siehe oben -, dass alle Gesellschafter als Mitunternehmer leitend und eigenverantwortlich tätig sind.)
  • Eine Ausnahme gilt (für Einzelpersonen wie für Personengesellschaften) dann, wenn freiberufliche und gewerbliche Tätigkeiten untrennbar miteinander verbunden sind, sich die Einkünfte also absolut nicht nach den beiden Geschäftsarten trennen lassen. Wenn eine Grafikdesignerin aus Manuskripten Broschüren macht, also Texte erfasst (gewerblich), Titelillustration und Layout gestaltet (freiberuflich) und auch noch die Druckabwicklung übernimmt (gewerblich), so gilt die gesamte Tätigkeit entweder als freiberuflich oder als gewerblich – je nachdem, welcher Teil ihr "das Gepräge gibt". Wurde sie also als Producerin engagiert, die ein bisschen Gestaltung mit übernimmt, wäre der gesamte Auftrag gewerblich. Wurde sie dagegen mit der "Gestaltung" beauftragt, wobei sie andere Tätigkeiten quasi als Nebenleistung mit übernommen hat, wäre es eine freiberufliche Tätigkeit. Voraussetzung ist allerdings ein Pauschalhonorar, das keine Trennung in gewerbliche und freiberufliche Anteile zulässt.

Hier besteht also ein großer Ermessensspielraum. Wie es diese Regeln auf die vorn genannten Beispiele anwendet, kann zuverlässig nur das zuständige Finanzamt und im Extremfall der Bundesfinanzhof beantworten.

Für Schriftsteller, die ihre Bücher im Selbstverlag herausbringen und im Eigenvertrieb verkaufen, hat der Bundesgerichtshof allerdings schon Urteile gefällt, die in einem gesonderten Kapitel behandelt werden.



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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_haupttext.php3?id=401503f52ab8c&ref=&si=5a064c3b23c5c&view=print&lang=1
Druckdatum: 25.11.2017, 12:14:18