Die Künstlersozialabgabe

Die Beiträge, die die KSK an die verschiedenen Sozialversicherungsträger überweist, setzen sich im Grundbeitrag zusammen aus

  • dem Beitrag der Versicherten (50 Prozent),
  • einem Bundeszuschuss (20 Prozent) und
  • der Künstlersozialabgabe der Verwerter (30 Prozent).

Mit der Künstlersozialabgabe werden alle Verwerter künstlerischer und publizistischer Werke und Leistungen ähnlich wie Arbeitgeber zur Beteiligung an der gesetzlichen Sozialversicherung herangezogen: Galerien und Verlage, Musik- und Theaterveranstalter, Rundfunkanstalten und Filmproduzenten, Plattenfirmen und Live-Musikkneipen müssen der KSK die Honorare melden, die sie gezahlt haben, und darauf einen gewissen Prozentsatz als Künstlersozialabgabe abführen.

Diese Abgabe müssen die Verwerter auf alle Honorare an Selbstständigen aus Publizistik und Kunst zahlen – egal ob die konkrete Honorarempfänger über die KSK versichert sind oder nicht. Auch für Künstlerinnen mit Wohnsitz im Ausland wird die Abgabe fällig, obwohl sie gar nicht über die KSK versichert werden können. Eine Benachteiligung der KSK-Versicherten bei der Auftragsvergabe ist damit ausgeschlossen; die KSK-Abgabe darf auch nicht vom Honorar abgezogen werden. Kurz: Ob ich in der KSK bin, geht die Kunden überhaupt nichts an. Einzige Ausnahme: Der so genannte "Übungsleiterfreibetrag" von 2.400 €, den z.B. nebenberufliche Lehrkräfte an Volkshochschulen steuerfrei bekommen, ist auch von der Künstlersozialabgabe befreit. Schlaue Volkshochschulen fragen deshalb ihre Dozenten, die künstlerische oder publizistische Fächer unterrichten, ob sie in der KSK sind und den Freibetrag in Anspruch nehmen können – dann können sie sich die Abgabe für diese Honorare sparen.

Abgabepflicht besteht jedoch nur für Honorare, die an natürliche Personen oder Personengesellschaften gezahlt werden. Fließt das Honorar an eine Kapitalgesellschaft, wozu in diesem Fall nach einem Urteil des Bundessozialgerichts vom 12.8.2010 (Aktenzeichen B 3 KS 2/09 R) neben der GmbH und AG auch die KG gezählt wird, so wird keine Künstlersozialabgabe fällig.

Selbstständige können auch selbst KSK-abgabepflichtig werden, wenn sie Aufträge an andere Selbstständige aus Publizistik und Kunst vergeben. Wo eine Filmemacherin einen fremden Drehbuchautor beauftragt, die Theatergruppe einen Regisseur engagiert oder der Jazzer einer Begleitmusikerin Honorar zahlt, will die KSK ihren Anteil haben – sofern das "nicht nur gelegentlich" geschieht. Als "nur gelegentlich" gilt ab 1.1.2015, wenn ein Auftraggeber innerhalb eines Jahres nur so viele Aufträge erteilt, dass deren Honorarsumme 450 Euro nicht übersteigt. Abgabefrei erlaubt ist auch die Zahlung von Honoraren für bis zu drei Veranstaltungen im Jahr, also z.B. für Firmen, die Entertainer für Betriebs- oder PR-Veranstaltungen engagieren. Auch Selbstvermarkter sind von der Abgabepflicht ausgenommen – die Malerin braucht auf ihre Einnahmen aus Privatverkäufen also ebenso wenig Künstlersozialabgabe zu zahlen wie das Freie Theater auf seine Zahlungen an die Gruppenmitglieder. Voraussetzung ist hier allerdings, dass die Gruppe wirklich aus Mitgliedern besteht, die künstlerisch und ökonomisch gleichberechtigt (und nicht einem Theaterchef untergeordnet) sind.

Wer glaubt, nach diesen Bestimmungen abgabepflichtig zu sein, sollte sich lieber gleich bei der KSK melden. Denn irgendwann merkt die es doch, und dann verlangt sie die Abgabe für bis zu fünf Jahre rückwirkend! Wer sich freiwillig meldet, kann leichter eine vernünftige Regelung finden.

Den Künstlersozialabgabesatz legt das Bundesarbeitsministerium jedes Jahr neu fest. Für 2017 beträgt die Abgabe 4,8 Prozent. Berechnet wird sie jeweils vom Gesamtentgelt, das der Verwerter für freie künstlerische und publizistische Tätigkeiten gezahlt hat - einschließlich Auslagen und Nebenkosten, aber ohne Mehrwertsteuer und Reisekosten. Die jährliche Meldung der abgabepflichtigen Honorare kann kann auch online erfolgen.

Die Prüfung, ob die Künstlersozialabgabe korrekt berechnet und abgeführt wurde, obliegt der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Sie prüft die Künstlersozialabgabe regelmäßig im Rahmen ihrer alle vier Jahre stattfindenden Betriebsprüfungen, sofern es sich um ein "Verwerter-Unternehmen" handelt, wie sie in §24 KSVG definiert sind, oder um einen Arbeitgeber mit 20 oder mehr Beschäftigten. Bei anderen bzw. kleineren Unternehmen erfolgt die Prüfung im Schnitt alle zehn Jahre im Rahmen der Routineprüfung der DRV. Zusätzlich kann die Künstlersozialkasse auch noch eigene Prüfungen durchführen. Ob und wie häufig diese Prüfungen auch Solo-Selbstständige treffen werden, die keine Arbeitnehmer beschäftigen, ist noch unklar, da das entsprechende Gesetz, das am 3.7.2014 verabschiedet wurde, nur die Prüfungen bei "Arbeitgebern" regelt.

Als Ärgernis empfinden es viele Betroffene, dass die Künstlersozialabgabe mitunter für ein und dieselbe Leistung mehrfach erhoben wird. Engagiert zum Beispiel ein Veranstalter eine Band und zahlt das Honorar an den Bandleader, der seine Band aus selbstständigen Musikern zusammengestellt hat, die für ihn gegen Gage spielen, so wird die Künstlersozialabgabe sowohl für das Honorar fällig, das der Veranstalter dem Bandleader gezahlt hat, als auch auf die Gage, die der Bandleader seinen freien Musikern zahlt. Einen Verrechnungsmechanismus wie bei der Mehrwertsteuer gibt es hier nicht.

Solche Doppelzahlungen entsprechen dem Gesetzestext. Vermeiden lassen sie sich nur, wenn die Band sich als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) aus lauter gleichberechtigten Selbstständigen organisiert. In diesem Fall fließt das Honorar des Veranstalters (abgabepflichtig) an die GbR, und diese teilt es unter ihre Mitglieder auf. Auf diese Verteilung an die Mitglieder ist keine Künstlersozialabgabe fällig. Im Streitfall sollte man freilich – am besten durch einen formlosen Vertrag (der tatsächlich schon bei Gründung der Band aufgesetzt und unterschrieben wurde!) – nachweisen können, dass es sich um eine GbR handelt und die Bandmitglieder alle sowohl künstlerisch als auch geschäftlich gleichberechtigt sind.



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Seite der KSK zur Künstlersozialabgabe



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Druckdatum: 24.11.2017, 17:38:56