Berufsunfähigkeitsversicherung

Für die Verbraucherzentralen ist dies die wichtigste Versicherung für Selbstständige: Während ein vorübergehender Verdienstausfall bei Krankheit meist irgendwie zu überbrücken ist, kann Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder durch einen Unfall ein ganzes Leben (und eine Familie) ruinieren.

Wer glaubt, hier schon gut abgesichert zu sein, sollte Folgendes bedenken:

  • Die Berufsgenossenschaft zahlt ihre Invalidenrente nur nach beruflichen Unfällen und bei Berufskrankheiten;
  • die private Unfallversicherung zahlt nur nach Unfällen, nicht aber bei Krankheiten;
  • die Krankenkassen und Krankentagegeldversicherungen stellen ihre Zahlungen ein, sobald feststeht, dass es sich nicht um eine vorübergehende Krankheit, sondern um eine dauerhafte Berufsunfähigkeit handelt.
  • Und wer in der gesetzlichen Rentenversicherung ist: Die zahlt zwar, aber meist deutlich weniger als die normale Altersrente. Zudem gibt es für alle, die nach 1960 geboren oder erst nach 2000 in die Rentenversicherung eingetreten sind, dort gar keine Berufsunfähigkeitsrente mehr, sondern nur noch eine Erwerbsunfähigkeitsrente.

Eine gesonderte Absicherung erscheint da vernünftig. Nur in einigen Branchen brauchen sich manche Selbstständige darum nicht kümmern, weil sie einen solchen Schutz über ihre Auftraggeber automatisch bekommen:

  • Rundfunk: Selbstständige, die Mitglied der Pensionskasse Rundfunk sind, haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten "Richtlinien für die Gewährung von Invaliditätshilfe an freie Mitarbeiter der Rundfunkanstalten bei Berufsunfähigkeit" erlassen, die eine jährliche Unterstützung von bis zu 14.400 (Alleinstehende) bzw. 16.350 € pro Jahr in Aussicht stellen. Selbstständige brauchen für diese Absicherung nichts zu tun; die Kosten tragen die Anstalten allein. Allerdings:
    • Diese Unterstützung gibt es nur für jene, die vor dem 2.1.1961 geboren wurden, mindestens fünf Jahre der Pensionskasse angehören und mindestens zehn Jahre überwiegend für Mitglieder dieser Pensionskasse tätig waren.
    • Andere Einkünfte wie Renten, Zinsen, Dividenden oder Mieteinkünfte werden auf diese Zahlungen angerechnet.
  • Bühnen und Orchester: Eine Zusatzrente bei Berufsunfähigkeit ist im Beitrag enthalten bei Versicherten der Versorgungsanstalt der Bühnen (in der seit 2017 auch Selbstständige freiwillig Mitglied werden können) sowie für Versicherte der Versorgungsanstalt der Kulturorchester.

Für alle anderen Selbstständigen ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) sinnvoll. Und zwar als eigenständige Versicherung. Zwar gewähren viele Versicherer Rabatte, wenn eine BUV mit einer privaten Renten- oder Lebensversicherung gekoppelt wird, aber von diesem früher beliebten Modell raten Versicherungsfachleute und Verbraucherzentralen inzwischen ab. Das ist in der Regel wesentlich teurer als eine eigenständige Versicherung und hat gegenüber der seperaten Absicherung der Berufsunfähigkeit und Altersvorsorge deutliche Nachteile. Zumal sich die Bedingungen bei der Einführung einer Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen noch einmal grundlegend verändern werden.

Grundsätzlich ist beim Abschluss privater Berufsunfähigkeitsversicherungen Vorsicht angebracht: Normal ist, dass sie erst dann zu zahlen brauchen, wenn die Versicherte auch keinen anderen Beruf mehr ausüben kann, der nach Einkommen und sozialer Stellung vergleichbar ist. Ist im Vertrag aber eine "abstrakte Verweisung" vereinbart, so brauchen sie auch dann nicht zu zahlen, wenn die Versicherte den anderen Beruf nur theoretisch ausüben könnte – selbst wenn sie praktisch gar keinen Arbeitsplatz findet. Zumindest ab einem gewissen Alter sollte die "abstrakte Verweisung" daher ausgeschlossen sein.

Aber auch wo die abstrakte Verweisung ausgeschlossen ist, brauchen die Versicherungen nicht in jedem Fall von Berufsunfähigkeit zu zahlen. Sie können zum Beispiel verlangen, dass Selbstständige mit einem größeren Betrieb ihren Laden so umorganisieren, dass die Tätigkeiten, die sie nicht mehr ausüben können, von Angestellten erledigt werden, und für den gehandicapten Inhaber eine Tätigkeit bleibt, die er noch ausüben kann. Eine solche Umorganisation, so hat das Oberlandesgericht Koblenz am 27.3.2009 (Aktenzeichen 10 U 1367/07) rechtskräftig entschieden, kann jedoch nur verlangt werden, wenn sie nicht mit "unwirtschaftlichen Ausgaben" verbunden ist und wenn dem Inhaber "noch ein ihn ausfüllender Tätigkeitsbereich" verbleibt (und nicht nur untergeordnete Tätigkeiten). Diese Voraussetzungen aber, so das OLG, "sind in den Fällen von allein, d. h. ohne Angestellte und Mitarbeiter, Arbeitenden nicht zu erfüllen". Aus diesem Grund sprach es einem Programmierer, der wegen Depression, Schmerzen und psychovegetativen Störungen nicht mehr in seinem Beruf arbeiten konnte, die Berufsunfähigkeitsrente zu.

Aktuelle Beratung zu den sich häufig ändernden Angeboten bieten die Verbraucherzentralen; bei der Stiftung Warentest findet man regelmäßig aktuelle Vergleiche. Tarifrechner, mit denen man ein bisschen an seinen Versorgungslücken herumspielen kann, findet man auf den Webseiten vieler Versicherungen, Portale und unabhängiger Versicherungsvermittler.



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Weitere interessante Links
Verbraucherzentrale-Buch zur erufsunfähigkeit (mit Leseprobe)
BU-Portal24 zu den Klauseln zur Umorganisation



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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_haupttext.php3?id=40e050e165cbf&view=print&si=5a064c3b23c5c&lang=1
Druckdatum: 11.12.2018, 16:58:12