Brauche ich ein extra Geschäftskonto?

Noch so ein Thema, über das sich viele am Anfang völlig unnötig den Kopf zerbrechen: Darf ich meine beruflichen Einnahmen und Ausgaben über mein privates Girokonto laufen lassen? Das kann im Prinzip jeder für sich selbst entscheiden. Nur seine Bank fragen sollte er nicht, denn dort bekommt er unweigerlich zur Antwort: "Ja, Sie brauchen ein Geschäftskonto. Geschäftseinnahmen dürfen Sie gar nicht über Ihr Privatkonto laufen lassen." Dass das "dürfen" sich allein auf die Geschäftsbedingungen der Bank bezieht, erfährt man dabei in der Regel nicht. Darum noch einmal in aller Deutlichkeit:

Es gibt kein Gesetz, keine Verordnung, keine allgemein bindende Vorschrift, dass Selbstständige für ihre geschäftliche Tätigkeit ein extra Konto einrichten müssen: Das Finanzamt verlangt nur, dass die Buchungen stimmen und nachvollziehbar sind. Das geht auch mit einem Privatkonto. Ein Geschäftskonto bietet auch keinen größeren Schutz: Bei einer Betriebsprüfung inspiziert das Finanzamt in der Regel ohnehin alle Konten. Auch das Privatkonto – egal ob da berufliche Buchungen drauf sind oder nicht, und in letzter Zeit gerne auch das PayPal-Konto.

Ein brennendes Interesse an Geschäftskonten haben allein die Banken. Denn die nehmen dafür in der Regel deutlich höhere Gebühren als für die heute oft gebührenfreien Privatkonten. Aber wenn die Bank nicht danach fragt (und ihre AGB eine geschäftliche Nutzung des Privatkontos nicht ausdrücklich ausschließen), braucht man ihr das ja nicht auf die Nase zu binden.

Der einzige vernünftige Grund, ein Geschäftskonto einzurichten, ist der eigene Durchblick: Natürlich ist es übersichtlicher, wenn private und geschäftliche Buchungen nicht vermischt sind. Aber ob das die höheren Gebühren rechtfertigt, hängt vom Geschäftsumfang ab: Wo es nur um ein paar Dutzend Buchungen im Jahr geht, tut es das Privatkonto auch. Aber manchmal lassen die Bank auch mit sich reden, wenn man ihr sagt, man wolle ein zweites Privatkonto für ein paar freiberufliche Einnahmen, bei vielen Online-Banken kann man einfach selbst noch Unterkonten einrichten.

Leider ändern die Banken ihre Konditionen zu oft, als dass wir hier haltbare Empfehlungen geben könnte. Die aktuellen Angebote kostenloser Girokonten findet man meist bei der Stiftung Warentest oder auf Portalen wie firmendo oder durch eine einfache Google-Suche. Aber Vorsicht: Wenn manche Onlinebanken ihre kostenlosen Girokonten ausdrücklich "auch für Selbstständige und Freiberufler" anpreisen, sind damit oft nur private Girokonten gemeint. Trotzdem nutzen einige Selbstständige solche Konten auch für ihren geschäftlichen Geldverkehr.

Wer online-affin ist, kann auch gleich ein Konto bei einem Start-up der Fintech-Branche eröffnen, die in der Regel auch per App bedienbar sind. Diese Unternehmen bieten oft auch die kostenlose Nutzung als Geschäftskonto an oder haben sich wie etwa Kontist und Konsorten gleich auf Konten für Selbstständige konzentriert. Die werden zumindest in der Basis-Version meist kostenlos geführt und beinhalten auch einfache Buchhaltungsfunktionen.






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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_haupttext.php3?id=40e18e538bbe4&ref=&si=5a7e19bbe3ec4&view=print&lang=1
Druckdatum: 20.05.2018, 16:03:47