Betriebsausgaben – Anschaffungen von bleibendem Wert

Größere Anschaffungen, die ihren Wert über längere Zeit behalten, wie technische Geräte, Musikinstrumente, Pkws oder gar Gebäude, heißen im Steuerrecht "Anlagegüter", die zum "Betriebsvermögen" gehören. Das bedeutet im normalen Geschäftsalltag nicht viel – allerdings werden sie im Steuerrecht anders behandelt als die laufenden Ausgaben: Sie müssen über mehrere Jahre "abgeschrieben" werden. Ihr Kaufpreis geht also nicht gleich im Kaufjahr als Betriebsausgabe in die Gewinnermittlung ein, sondern wird – je nachdem wie lange so ein Teil üblicherweise hält – über mehrere Jahre verteilt. Dieses Verfahren nennt sich "Absetzung für Abnutzung" (AfA).

Damit das nicht zu kompliziert wird, hat das Steuerrecht zunächst die "Anlagegüter" von den "Geringwertigen Wirtschaftsgütern"abgegrenzt:

  • Anlagegüter oberhalb eines bestimmten Kaufpreises müssen abgeschrieben werden, d.h. sie dürfen über ihren gesamten (voraussichtlichen) Nutzungszeitraum nur jeweils mit dem Kostenanteil als Betriebsausgabe geltend gemacht werden, der auf das jeweilige Jahr entfällt. Die maßgebliche Grenze liegt – je nach gewählter Abschreibungsvariante (siehe unten) – bei 410 bzw. bei 1.000 €, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer.
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter unterhalb eines bestimmten Kaufpreises werden wie laufende Ausgaben behandelt, d.h. ihr voller Kaufpreis darf im Kaufjahr sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe angesetzt werden. Die maßgebliche Grenze liegt – je nach gewählter Abschreibungsvariante (siehe unten) – bei 410 bzw. bei 150 €, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer.
  • Mit den Sammelposten wurde – erstmals im Jahre 2008 – ein vereinfachtes (aber nicht unbedingt günstigeres!) Abschreibungsverfahren eingeführt für Gegenstände mittleren Wertes, über deren Zuordnung zu einer der beiden vorgenannten Kategorien man streiten könnte: Hat man sich bei der Abschreibung für die "Sammelpostenvariante" (siehe unten) entschieden, so werden alle Anschaffungen eines Jahres mit einem Einzelwert zwischen 150 und 1.000 € (jeweils zuzüglichen Mehrwertsteuer) in einem "Sammelposten zusammengefasst, der dann fünf Jahre lang mit jeweils 20 Prozent abgeschrieben wird.

Da es sich für größere Unternehmen und sehr teure Anschaffungen eventuell lohnen kann, die Abschreibung zur Steuerung des Gewinns und damit zur Steueroptimierung einzusetzen (für normale kleine Selbstständige sind da in der Regel kaum mehr als ein paar Euro im Jahr herauszuholen), sind die Abschreibungsregeln zu Anfang dieses Jahrhunderts fast jährlich geändert worden, was nicht eben für Klarheit und Einfachheit gesorgt hat. Heute muss sich jeder Selbstständige zunächst jedes Jahr neu zwischen zwei Abschreibungsvarianten entscheiden. Zur Wahl stehen

  • die klassische Variante: Hier gibt es nur Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG), die im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als Betriebsausgaben angesetzt werden dürfen, und Anlagegüter, deren Kaufpreis über mehrere Jahre als "Absetzung für Abnutzung" (AfA) verteilt werden muss. Die Grenze zwischen beiden Kategorien liegt hier bei 410 € zzgl. MwSt.
  • die "Sammelposten-Variante": Hier sind die Geringwertigen Wirtschaftsgüter, die sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben angesetzt werden dürfen, auf einen Netto-Kaufpreis von 150 € begrenzt; die Anlagegüter, die per AfA abgeschrieben werden müssen, fangen dagegen erst bei einem Nettopreis von 1.000 € an. Dazwischen wurde eine neue Kategorie von Wirtschaftsgütern definiert: Alles, was zwischen 150 und 1.000 € (netto) gekostet hat, wird jedes Jahr in einem Sammelposten zusammengefasst, von dem fünf Jahre lang jeweils ein fester Satz von 20 Prozent als Betriebsausgabe geltend gemacht werden darf.
  • für das Abschreibungsverfahren außerdem die lineare und die degressive Abschreibung, deren Eckwerte in den letzten Jahren fast jährlich geändert wurden.

Welche Variante in welcher Situation die günstigere ist, wird in einem gesonderten Kapitel beschrieben.

Aber Vorsicht: Nicht alles, was mehr als 410 bzw. 150 € kostet, fällt unter die AfA bzw. gehört in Sammelposten. Es muss sich um ein "Anlagegut" handeln, das länger als ein Jahr genutzt wird und einen realen (Verkaufs-)Wert behält: Die Kosten für Reparaturen und Renovierungsarbeiten können also in beliebiger Höhe immer sofort abgesetzt werden, ebenso die Kosten für Theaterrequisiten oder ein Bühnenbild. Auch der Teppichboden, der im Übungsraum fest verklebt wird, kann sofort abgesetzt werden; der Perser im Büro dagegen muss über acht Jahre abgeschrieben werden – wenn er mehr als 500 € pro Quadratmeter kostet, sogar über fünfzehn.

Wichtig ist auch, dass durchaus Gegenstände mit einem höheren Kaufpreis als GWG behandelt werden können. Wurde für den Kauf nämlich ein Investitionsabzugsbetrag gebildet, so ist der um den Investitionsabzugsbetrag verminderte Kaufpreis maßgeblich – das heißt, dass in diesem Fall sogar noch ein Wirtschaftsgut mit einem Kaufpreis von bis zu 813,16 € (brutto) als GWG behandelt werden kann.



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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_haupttext.php3?id=40e57c29e7276&ref=&si=5a064c3b23c5c&view=print&lang=1
Druckdatum: 23.11.2017, 21:28:46