Gesellschaftsformen und -verträge

Bei der Frage, welchen rechtlichen Rahmen man einer solchen Zusammenarbeit geben will, dürfte es für die Selbstständigen, an die sich dieser Ratgeber wendet, meist keine große Diskussion geben: Was über eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) hinausgeht, ist für sie in der Regel viel zu aufwändig.

Die GbR ist das, wie man sich eine Zusammenarbeit mit dem gesunden Menschenverstand vorstellt: eine Verabredung unter gleichberechtigten Selbstständigen

  • ohne großen Gründungsaufwand und ohne Gründungskosten,
  • ohne erzwungenen bürokratischen Apparat,
  • ohne formalen Aufwand wie Veröffentlichungspflichten, Mitgliederversammlungen oder Registereinträge,
  • ohne von außen (gesetzlich) festgelegte Regeln,
  • ohne neue Pflichten wie Gewerbesteuer- oder Buchführungspflicht (sofern sie nicht für die einzelnen Gesellschafter ohnehin schon bestanden).

Dass die Mitglieder einer GbR für deren Geschäfte alle mit ihrem vollen Privatvermögen haften, unterscheidet sie ebenfalls nicht von Einzelunternehmern. Auch dagegen ist also im Prinzip nichts einzuwenden.

Dennoch kann es im konkreten Fall Gründe geben, eine andere Gesellschaftsform wie eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, eine vollwertige GmbH, eine Partnerschaftsgesellschaft oder einen Verein in Erwägung zu ziehen. Wer zum Beispiel

  • seine Haftung beschränken,
  • unter einem reinen Fantasienamen operieren,
  • steuerbegünstigte Spenden einnehmen oder
  • den Eindruck einer "großen Firma" erwecken will,

kann das mit einer GbR kaum verwirklichen. Auch wenn das Geschäft eine bestimmte Größenordnung überschreitet, kann das Nachdenken über eine neue Gesellschaftsform durchaus sinnvoll sein.

Allerdings sind diese Vorteile in der Regel nicht umsonst zu haben: Gesellschaftsformen, die über die GbR hinausgehen, sind mit zusätzlichen Kosten, einem zusätzlichen Gründungs- und Verwaltungsaufwand und/oder dem Verlust eventueller Privilegien wie Gewerbesteuerfreiheit, Künstlersozialversicherung oder der Befreiung von der Buchführungspflicht verbunden. Welche Vor- und Nachteile das für die einzelnen Gesellschaftsformen sind, wird in den folgenden Kapiteln erläutert.

Gänzlich abzuraten ist in aller Regel von der englischen Limited, wie sie häufig noch im Internet als Ideallösung propagiert wird: Die angeblichen Vorteile einer Limited vermögen die Pflichten, die mit ihrer Gründung verbunden sind (und die auf den einschlägigen Internetseiten meist vornehm verschwiegen werden), nur in seltenen Fällen aufzuwiegen.

Auch die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft hat nicht ganz das gehalten, was der Arbeitstitel "Ein-Euro-GmbH" ursprünglich suggeriert hatte: Die "UG (haftungsbeschränkt)" ist im Grunde nichts anderes als eine "GmbH im Aufbau", die in absehbarer Zeit auch zur vollwertigen GmbH werden muss. Lediglich die Anforderungen an die Gründungsformalitäten und an das aufzubringende Kapital sind gegenüber der vollwertigen GmbH ein wenig abgemildert.

Unabhängig von der Wahl der Gesellschaftsform gilt für jede Art der Zusammenarbeit: Sie wird umso besser funktionieren, je genauer sich die Partnerinnen und Partner vorher über die Modalitäten der Zusammenarbeit geeinigt haben. Das geht nur, wenn man sich Zeit nimmt, die in den letzten Kapiteln aufgeworfenen Fragen in Ruhe zu besprechen, mögliche Streitpunkte mit Fantasie durchzuspielen, sich auf Vollmachten und für alle durchschaubare Abrechnungen zu einigen. Wichtig ist, dass man sich hier wirklich einig ist. Ob man das, worauf man sich geeinigt hat, danach formlos aufschreibt (was für eine GbR völlig ausreicht) oder von einem Fachmann in einen formal korrekten Vertrag gießen lässt (wie es für eine GmbH oder einen Verein unverzichtbar ist), ist dann eher eine untergeordnete Frage.



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Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
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Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt)
Partnerschaftsgesellschaft
Verein
Die englische 'Limited'



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Druckdatum: 20.11.2017, 18:03:34