Selbstständige als Arbeitgeber

Es ist ja nicht ehrenrührig, als Selbstständiger so gut im Geschäft zu sein, dass man irgendwann die Arbeit nicht mehr schafft und vor die Frage gestellt wird, Leute einzustellen – also selber zum Arbeitgeber zu werden. Wer in dieser Situation nicht vergisst, wie es ihm selber auf der anderen Seite erging, wird schon von selbst fair mit seinen Leuten umgehen.

Allerdings sollte man nicht unterschätzen, mit was für einem Berg von Formalitäten die Beschäftigung von Arbeitnehmern verbunden ist: Arbeitgeber müssen

  • klare Arbeitsbedingungen vereinbaren und in einem Arbeitsvertrag schriftlich niederlegen,
  • die gesetzlichen Mindestbedingungen für Arbeitsverhältnisse einhalten,
  • die Arbeitnehmerin bei der Krankenkasse, der Berufsgenossenschaft und gegebenenfalls zusätzlich bei der zuständigen AOK anmelden,
  • monatlich den Beitrag zur Sozialversicherung ausrechnen und an die Krankenkasse abführen,
  • den Arbeitnehmer beim Finanzamt anmelden, ein Lohnkonto führen und monatlich die Lohnsteuer ausrechnen und an das Finanzamt abführen,
  • einen Stundenzettel oder ähnliche Aufzeichnungen gemäß §17 Mindestlohngesetz führen, die Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit der Beschäftigten verzeichnen,
  • bei einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses zumindest die gesetzlichen Kündigungsfristen einhalten und ein Zeugnis ausstellen.

All diese Anforderungen muss auch erfüllen, wer Familienangehörige als Arbeitnehmer beschäftigen oder Praktikanten einstellen will.

Wer glaubt, das alles gar nicht selber bewältigen zu können, sollte daraus gleich die richtige Konsequenz ziehen: Es empfiehlt sich wirklich, die gesamte Gehaltsbuchhaltung mitsamt der Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbürokratie in geübte Hände zu legen, also außer Haus zu geben oder dafür eine Fachkraft einzustellen. So behält man selbst den Kopf frei für wichtigere – und befriedigendere – Aufgaben. Und es passieren weniger Fehler, was mit Blick auf das Betriebsklima auch nicht zu verachten ist.

Ansonsten hat die Beschäftigung von Arbeitnehmern keine Auswirkungen auf den Status von Selbstständigen – mit drei Ausnahmen:

  • Wer über die Künstlersozialkasse versichert ist, darf höchstens einen Arbeitnehmer beschäftigen. Weitere Auszubildende und geringfügig Beschäftigte sind erlaubt – wer jedoch zwei oder mehr "richtige" Arbeitnehmer beschäftigt, fliegt aus der KSK raus.
  • Als arbeitnehmerähnlich gilt nach § 12a Tarifvertragsgesetz nur, wer seine Leistungen "persönlich und im wesentlichen ohne Mitarbeit von Arbeitnehmern" erbringt. Wer nicht nur Hilfskräfte wie Putzleute oder Schreibkräfte, sondern als freier Journalist einen anderen freien Journalisten oder als Kameramann eine Tontechnikerin beschäftigt, hat also keinen Anspruch mehr auf die entsprechenden Sonderrechte wie Tarifbezahlung oder bezahlten Urlaub.
  • Dozenten, Pflegepersonen und Selbstständige mit nur einem Auftraggeber können als Arbeitgeber der Rentenversicherungspflicht entkommen. Diese gilt für sie nämlich nur, solange sie "keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen".


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Quelle: www.mediafon.net//ratgeber_haupttext.php3?id=413cb0c2e7ab5&ref=h_413cb067ac4b1&si=5a064c3b23c5c&view=print&lang=1
Druckdatum: 20.11.2017, 18:23:23